Celina Watschke, Studierende an der Katholischen Universität Eichstätt und ehrenamtliche Mitarbeiterin der Welt-Brücke, stellt im folgenden Beitrag Geschichte und Hintergrundinformationen zu unseren fairen und beliebten Mango-Produkten der philippinischen Fairtrade-Organisation PREDA vor:

Die Geschichte hinter den Fairtrade-Mango-Produkten – Das Projekt PREDA

Bis zu 50 Meter Höhe können die philippinischen Carabao-Mangobäume erreichen. Im Schatten der immergrünen Gewächse entstehen wertvolle Ökosysteme für viele Tier- und Pflanzenarten. Die süßen, goldgelben Früchte enthalten einen hohen Anteil an Vitamin A und C, sowie Magnesium und Kalium und lassen sich vielfältig verarbeiten. So erstreckt sich die Bandbreite unseres Mango-Sortiments von getrockneten Mango-Streifen über Mango Kokos-Bällchen und Mango-Fruchtgummi bis hin zu Mango-Aufstrich, Mango-Soßen, Mango-Spalten in Sirup und dem beliebten Mango-Limes.

Doch hinter all diesen Produkten steckt viel mehr. Die Geschichte beginnt mit der Gründung der Stiftung PREDA (People`s Recovery, Empowerment and Development Assistance Foundation) im Jahre 1974 als Reaktion auf die schockierenden Menschenrechtsverletzungen im Gebiet der philippinischen Hafenstadt Olongapo. Olongapo, ursprünglich Teil des Marinereservats der USA und angrenzend an die Freihandelszone Subic Bay, Zambales, welches bis 1992 auch ein Marinereservat der USA darstellte, bildete und bildet noch immer ein großes Zentrum für Sextourismus, in dem auch minderjährige Frauen im Teufelskreis von Armut und Chancenlosigkeit in der Prostitution landen. Viele Frauen kommen auch aus anderen Gegenden hierher, um Arbeit in den Bars zu finden. Im ultrakatholischen Inselstaat ist Verhütung schwer zugänglich – jährlich werden tausende Kinder von Sextouristen geboren, sie wachsen meist in bitterer Armut auf.

Einer der drei Gründer von PREDA, der irische Pater Shay Cullen (Jahrgang 1942), kämpft bis heute – bis Dezember 2020 als Präsident und Leiter, seit Januar 2021 als Vize-Präsident von PREDA – gegen sexuelle Ausbeutung, Missbrauch und Verelendung von philippinischen Kindern und Jugendlichen. Aufgrund seines Engagements wurde der irische Geistliche, der ursprünglich als Missionar auf die Philippinen gekommen war, bereits mehrfach für den Friedensnobelpreis nominiert und erhielt 2017 den Shalom-Preis der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

Besuch von Pater Shay Cullen im Mai 2017 im Weltladen (hier mit Dagmar Kusche, Gabi Hössl, Rita Murböck und Margarete Müller, v.r.n.l.)
anlässlich der Verleihung des Shalom-Preises Eichstätt durch den AK Shalom für Gerechtigkeit und Frieden

Im Laufe der Jahrzehnte wurde das Projekt PREDA immer wieder erweitert. Hierbei sind zunächst die zwei Kinderschutzzentren zu nennen, die ca.150 Kindern und Jugendlichen mit Gewalterfahrung ein neues Zuhause bieten. Jungen, die oft unschuldig oder aufgrund von Bagatelldelikten in den überfüllten Gefängnissen willkürlicher Gewalt und sexuellem Missbrauch ausgesetzt waren, und traumatisierte Mädchen, die Zwangsprostitution und sexuellen Missbrauch erleiden mussten, erhalten hier psychologische und medizinische Unterstützung, können sich erholen und haben Zugang zu Bildung und diversen Therapieangeboten. Darüber hinaus konnten aufgrund des hartnäckigen Einsatzes von PREDA bereits viele Fälle von Kinderprostitution über Ländergrenzen hinweg aufgeklärt und geahndet werden. Außerdem leistet die Organisation vor Ort umfangreiche Sozial- und Jugendarbeit – so das „Jail Rescue Team“, das minderjährige Jungen aus Gefängnissen und Polizeistationen befreit – und bereitet intervenierende Gesetzesinitiativen vor.

Auch internationale Bildungs- und Kampagnenarbeit gehört zum Aktionsbereich der Organisation. Hierbei werden sie von ihrem Partner, dem deutschen Fairtrade-Unternehmen Weltpartner in Ravensburg, unterstützt. Die Kooperation besteht seit den 1990er Jahren und umfasst den Handel der Mango-Produkte, die Sie in unseren Regalen finden können. Der Erlös geht zu 10% an PREDA und trägt zur Umsetzung der oben beschriebenen Maßnahmen bei.

Zusätzlich hat der Vertrieb auch einen präventiven Effekt: Die Garantie eines sicheren Lebensunterhalts für mittlerweile über 500 Kleinbauernfamilien verhindert Landflucht und die damit einhergehende Gefahr, einem gefährlichen Armutskreislauf zu erliegen. Vor allem für die Kinder kann dies schicksalsentscheidend sein. „Vom Erlös eines größeren Mangobaumes können zwei Kinder ein Jahr zur Schule geschickt werden, inklusive aller damit verbundenen Kosten“, so berichtet Pater Shay Cullen. Beim Anbau wird ein besonderes Augenmerk auf die Umwelt gelegt. So wird dabei auf naturnahe Methoden, wie beispielsweise der Verzicht auf künstliche Dünge- und Spritzmittel gesetzt und Brachland aktiv mit Mangobaum-Setzlingen aufgewertet. Zudem wird ein Teil der Mangos von der indigenen Gemeinschaft der Aetas in zertifizierter Bio-Qualität geerntet. Verarbeitet werden die Mangos von Profood, einem lokalen Betrieb, der nicht nur den Mango-Bauern eine Abnahme der Gesamternte, sondern den Arbeitern auch faire Löhne und umfassende Sozialleistungen garantiert.

Es ist schon erstaunlich, wie viele Akteure zu der Entstehung und Wertschöpfung der Mango-Produkte beitragen. Und die Geschichte ist noch nicht zu Ende: Denn durch den Ausbau des starken internationalen Solidaritätsnetzwerks kann, so betont Pater Shay Cullen, „jeder zur Verwirklichung des Traumes beitragen, eine bessere Welt zu schaffen“.

Übrigens: Wussten Sie schon……?..

….. dass die Schauspieler des Kölner Tatort-Krimis des WDR, Dietmar Bär und Klaus J. Behrendt (Kommissare Freddy Schenk und Max Ballauf), 1998 den „Tatort-Verein. Straßen der Welt e.V.“ gründeten, nachdem sie in den Philippinen bei den Dreharbeiten für den Tatort „Manila“ das Elend in den Slums und Kinderprostitution hautnah erlebten? Dieser Verein engagiert sich seitdem in vielen Aktionen für PREDA und weitere Projekte auf den Philippinen (www.tatort-verein.org/engagement/philippinen/preda/)

Hier noch Aktuelles von PREDA vom Januar 2021

Seit Januar 2021 ist Francis B. Bermido Jr. neuer Präsident der PREDA-Stiftung und löst Pater Shay Cullen (78) ab. Dieser ist nun Vizepräsident der Stiftung.

Alle Kinder der Kinderschutzzentren haben seit ca. März 2020 die Möglichkeit zum Homeschooling und werden dabei von Sozialarbeitern unterstützt, die die Kinderschutzzentren in der Regel je zweimal wöchentlich. Mittlerweile sind Familienbesuche der Kinder wieder erlaubt, unter strengen Corona-Auflagen. Familienbesuche sind für das Wohl der Kinder in den Heimen von hoher Wichtigkeit, insbesondere in der Pandemie-Zeit. Es finden zurzeit keine Gefängnisbesuche etc. statt, PREDA nimmt in der Corona-Zeit Kinder durch Überweisungen von Behörden auf.

Es ist PREDA gelungen, Finanzmittel von US Aid und den UN zur Förderung der Projekte zu erhalten.

Fair Trade: Zukünftig wird WeltPartner eG nicht nur Mangos, sondern auch Bananen von den Aetas kaufen, zur Herstellung von Bananenpüree. Bananen wachsen schnell und können somit – im Gegensatz zu Mangos- mehrmals im Jahr geerntet werden. PREDA unterstützt nun auch eine Schule für Aetas – das St Francis Learning Center.

Diese und viele weitere Informationen, Fotos, Filme und Videos finden Sie auf der Homepage von Weltpartner unter dem Stichwort PREDA:

www.weltpartner.de

www.weltpartner.de/de/preda

www.mangos-fuer-kinderrechte.de

siehe auch den Blog über Fair Trade Mangos (mangos-fuer-kinderrechte.de)

Besuch im Boy´s Homoevon PREDA durch den langjährigen Unterstützer und Förderer Prof. Dr. Engelbert Groß (verstorben 2020)